KI-Kompetenz nach AI Act Artikel 4: Was Betriebe in Österreich jetzt tun müssen

, Gründer, AP&F Software FlexCo6 Min. Lesezeit

Eine Waage aus weißem Marmor, beide Schalen auf gleicher Höhe. Im Waagbalken leuchtet ein violetter Lichtfaden.
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Jeder Betrieb, der KI beruflich einsetzt, muss nach Artikel 4 AI Act Maßnahmen setzen, damit seine Leute KI kompetent nutzen. Das gilt seit 2. Februar 2025, auch für ChatGPT oder Copilot im Büro. Seit der Neufassung im Juli 2026 muss niemand mehr ein bestimmtes Kompetenzniveau garantieren. Gefordert sind nachvollziehbare Maßnahmen: Bestandsaufnahme, Regeln, Schulung, Dokumentation.

Der Aufwand dafür ist überschaubar. Ein Online-Quiz mit Zertifikat erfüllt die Form, an den ungenutzten KI-Lizenzen in vielen Betrieben ändert es aber nichts.

Wer ist von Artikel 4 AI Act betroffen?

Artikel 4 richtet sich an Anbieter und Betreiber von KI-Systemen. Anbieter entwickeln KI und bringen sie auf den Markt, Betreiber verwenden ein KI-System in eigener Verantwortung beruflich. Schreibt der Kalkulant eines Elektrobetriebs Angebotstexte mit ChatGPT, ist der Betrieb Betreiber, egal wie groß er ist.

In Österreich ist die KI-Servicestelle bei der RTR angesiedelt. Laut RTR gilt Artikel 4 ohne Unterscheidung nach Risikoklasse, also für Hochrisiko-Systeme genauso wie für den Textassistenten im Büro. Erfasst sind auch Dritte, die im Auftrag des Betriebs mit KI arbeiten, etwa Dienstleister.

Oft kommt KI ungefragt ins Haus. Die RTR weist darauf hin, dass Updates bestehender Standardsoftware häufig neue KI-Funktionen mitbringen. Wer glaubt, sein Betrieb nutze keine KI, hat meistens nur noch nicht nachgesehen.

Was hat sich mit dem Digital Omnibus im Juli 2026 geändert?

Die EU hat Artikel 4 mit der Verordnung (EU) 2026/1744 neu gefasst, dem sogenannten Digital Omnibus zur KI. Die Verordnung stammt vom 8. Juli 2026, wurde am 24. Juli im Amtsblatt veröffentlicht, und die neue Fassung gilt laut RTR seit 27. Juli 2026.

Vorher mussten Betriebe Maßnahmen ergreifen, um nach besten Kräften ein ausreichendes Maß an KI-Kompetenz sicherzustellen. Jetzt heißt es: Anbieter und Betreiber „ergreifen Maßnahmen, um die Entwicklung der KI-Kompetenz ihres Personals … zu unterstützen“. Neu ist auch der ausdrückliche Satz, dass niemand für irgendeine Person ein bestimmtes Niveau an KI-Kompetenz garantieren muss.

Eine Entwarnung ist das nicht, die Pflicht bleibt. Geändert hat sich der Maßstab: Statt eines Ergebnisses, das kaum jemand prüfen konnte, zählen jetzt Maßnahmen, die Sie nachweisen können. Für einen Betrieb mit 50 Leuten ist das einfacher, weil klar ist, was zu tun ist. Außerdem sollen Kommission und Mitgliedstaaten besonders KMU bei der Umsetzung unterstützen.

Welche Strafen drohen, wenn Mitarbeiter nicht geschult sind?

Laut RTR sieht der AI Act für Artikel 4 keine eigene Verwaltungsstrafe vor. Die RTR verweist aber darauf, dass fehlende Mitarbeiterschulungen in der Regel auch außerhalb des AI Act nach § 1313a ABGB dem Unternehmer zugerechnet werden. Geht durch falsch eingesetzte KI etwas schief, steht also der Betrieb dafür ein.

Bei der Aufsicht ist Österreich spät dran: Anfang August 2026 gab es laut ORF noch keine Aufsichtsbehörde für den AI Act. Das Bundeskanzleramt betonte gleichzeitig, dass Unternehmen die rechtlichen Anforderungen trotzdem erfüllen müssen.

Im Alltag wiegt ein anderes Risiko schwerer als jede Strafe: der Mitarbeiter, der Kundendaten in ein privates Gratiskonto kopiert, oder das Angebot, das mit einem von ChatGPT geschätzten Preis rausgeht. Beides verhindert man mit Schulung.

Was müssen Betriebe jetzt konkret tun?

Die RTR empfiehlt eine Bestandsaufnahme, eine schriftliche KI-Strategie, eine interne KI-Richtlinie und ein Schulungskonzept. Für einen Familienbetrieb mit 20 bis 150 Leuten heißt das in der Praxis:

  1. 01

    Bestandsaufnahme machen

    Welche KI-Werkzeuge sind im Einsatz, offiziell und inoffiziell? Dazu gehören KI-Funktionen in bestehender Software und die privaten ChatGPT-Konten, die längst jemand nutzt. Halten Sie die Liste aktuell.

  2. 02

    Regeln auf einer Seite festhalten

    Legen Sie fest, welche Werkzeuge freigegeben sind, welche Daten nie hineinkommen und wer Ergebnisse prüft, bevor sie an Kunden gehen. Das muss auf eine Seite passen, die jeder versteht, denn ein dickes Handbuch liest niemand.

  3. 03

    Nach Rolle schulen

    Die Geschäftsführung braucht anderes Wissen als der Kalkulant, und wer ohne KI-Werkzeug arbeitet, braucht nur eine kurze Einweisung. Ein Webinar für alle ist bequem, bringt aber wenig.

  4. 04

    Dokumentieren

    Halten Sie fest, wer wann wozu geschult wurde, mit Teilnehmerliste, Inhalten und Datum. Damit weisen Sie nach, dass Sie Maßnahmen ergriffen haben.

  5. 05

    Auffrischen

    Werkzeuge und Funktionen ändern sich, neue Mitarbeiter kommen dazu. Planen Sie deshalb pro Halbjahr einen kurzen Check ein.

Welche Schulung braucht welche Rolle?

RolleWas die Person können mussFormat
Geschäftsführung, BetriebsleitungWo KI im eigenen Betrieb Arbeit abnimmt und wo nicht, Haftung, Datenschutz, Entscheidung über WerkzeugeHalbtag am eigenen Betrieb
Kern-User in Kalkulation, Büro, ProjektleitungGute Anweisungen formulieren, Ergebnisse prüfen, Grenzen erkennen, Regeln zu DatenWorkshop an echten Aufgaben, Review nach zwei Wochen
Gelegentliche NutzerFreigegebene Werkzeuge kennen, wissen, was nie hinein darf, Ergebnisse gegenprüfenKurze Einweisung, Merkblatt
Mitarbeitende ohne KI-WerkzeugWissen, dass es Regeln gibt und wo sie stehenInfo in der Teambesprechung
KI-Kompetenz nach Rolle in einem Betrieb mit rund 50 Mitarbeitenden

Reicht ein Online-Kurs mit Zertifikat?

Rechtlich verlangt der AI Act kein Zertifikat, laut RTR lässt er die Art der Schulung offen. Einen „KI-Beauftragten“ müssen Sie nach Artikel 4 ebenfalls nicht benennen.

Praktisch ist ein generischer Kurs die schwächste Lösung. Wer nur Videos schaut und ein Werkzeug allein ausprobiert, legt es oft nach ein paar Tagen wieder weg, weil niemand gezeigt hat, wofür es im eigenen Alltag gut ist. Eine Schulung an echten Aufgaben aus dem Betrieb verhindert genau das.

Deshalb gehört Schulung an die Aufgaben, die im Betrieb tatsächlich anfallen. In einem Elektro- und Automatisierungsbetrieb mit rund 100 Leuten sieht der Plan so aus: zwei Stunden Workshop mit den Kern-Usern, nach zwei Wochen ein Review, was wirklich benutzt wird, danach ein Workshop für die Power-User. Das erfüllt Artikel 4 und sorgt nebenbei dafür, dass die Lizenzen nicht liegen bleiben. Wie wir das aufziehen, steht bei der KI-Schulung.

Häufige Fragen

Gilt Artikel 4 AI Act auch, wenn wir nur ChatGPT nutzen?

Ja. Artikel 4 gilt für jeden Betreiber eines KI-Systems, unabhängig von der Risikoklasse. Sobald Ihre Mitarbeiter ChatGPT, Copilot oder eine KI-Funktion in bestehender Software beruflich nutzen, müssen Sie Maßnahmen setzen, damit sie das kompetent tun. Ausgenommen ist nur die rein private Nutzung außerhalb der Arbeit.

Brauchen wir einen KI-Beauftragten?

Nein. Anders als die DSGVO, die in bestimmten Fällen einen Datenschutzbeauftragten verlangt, schreibt Artikel 4 keinen KI-Beauftragten vor. Das bestätigt auch die RTR. Sinnvoll ist trotzdem eine Person im Betrieb, die die Liste der Werkzeuge pflegt, Fragen sammelt und Schulungen organisiert. In Familienbetrieben ist das oft die Geschäftsführung oder die Büroleitung.

Seit wann gilt die Schulungspflicht nach dem AI Act?

Artikel 4 gilt seit 2. Februar 2025. Seit 27. Juli 2026 gilt die Fassung aus dem Digital Omnibus: Statt ein ausreichendes Kompetenzniveau sicherzustellen, ergreifen Betriebe nun Maßnahmen, die die Entwicklung der KI-Kompetenz unterstützen. Die Pflicht besteht weiter, der Maßstab ist aber klarer und leichter nachzuweisen.

Gibt es Förderungen für KI-Schulungen?

Ja. Die FFG Skills Schecks 2026 fördern externe Weiterbildung, künstliche Intelligenz zählt zu den Schwerpunkten. Gefördert werden bis zu 50 Prozent der Kosten, maximal 5.000 Euro pro Person und für bis zu fünf Personen pro Unternehmen. Der Antrag muss vor Kursbeginn gestellt werden, eingereicht werden kann bis 15. Dezember 2026.

Quellen

Die Beispiele aus Betrieben stammen aus anonymisierten Kundengesprächen von AP&F. Stand aller Angaben: 11. Oktober 2026.

  1. 01Verordnung (EU) 2024/1689 (AI Act), EUR-Lex
  2. 02Verordnung (EU) 2026/1744 (Digital-Omnibus-Verordnung zur KI), EUR-Lex
  3. 03RTR KI-Servicestelle: AI Act, KI-Kompetenz
  4. 04ORF: EU-Verordnung in Kraft: KI muss sich zu erkennen geben (2. August 2026)
  5. 05FFG: Skills Schecks 2026

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